
Christina Bossauer, B. Sc.
Referentin Bildungsmanagement, Albertinen Akademie
Org. Tagungsleitung PdT Langeoog, Albertinen Akademie

Neben der Präsenzveranstaltung auf Langeoog haben Sie auch 2026 wieder die Möglichkeit, die Hauptvorträge als Videoaufzeichnung zu buchen. So können Sie die Impulse der Tagung ortsunabhängig und in Ihrem eigenen Tempo nachverfolgen.
Geplant ist die Aufzeichnung der folgenden sechs Hauptvorträge. Bitte beachten Sie, dass die Bereitstellung der Videos unter dem Vorbehalt der technischen Umsetzbarkeit sowie der Freigabe durch die jeweiligen Referierenden steht. Änderungen bleiben daher vorbehalten.
Das komplexe psychophysische Konstrukt der Dissoziation ist historisch und inhaltlich eng mit den pathogenetischen Vorstellungen zur Hysterie verknüpft und hat daher einerseits eine Nähe zu traumatischen Erfahrungen (insbesondere sexuelle Grenzverletzungen in der frühen Biographie) und andererseits zu klinischen Merkmalen wie Dramatisierung, Suggestibilität oder gar des ‚Unechten‘. In der Begegnung mit Patient:innen mit dissoziativen Symptomen kann sich dieses Spannungsfeld in sehr gegensätzlichen Gegenübertragungen widerspiegeln, die von (Über)Identifikation mit dem Leid und der Opferrolle bis zu Unglauben, dem Gefühl getäuscht zu werden und ablehnender Distanzierung reichen. Um diese Gegensätzlichkeit besser verstehen zu können, zeichnet der Vortrag kursorisch die Ideengeschichte des Dissoziationsbegriffs nach, um anschließend aktuelle Definitionen, die heterogene Phänomenologie und Klassifikationsansätze zu erläutern. Über einen Exkurs zu ätiopathogenetischen Vorstellungen und neurobiologischen Befunden wird eine psychodynamische Einordnung versucht, die das Spannungsfeld zwischen Wahrheit und Täuschung auslotet. Abschließend werden psychotherapeutische Implikationen diskutiert.
Prof. Dr. Carsten Spitzer
Künstliche Intelligenz (KI) verändert derzeit die psychotherapeutische Landschaft - von der Diagnostik über Therapieplanung bis hin zu digitalen Interventionen. Damit stellen sich neue Chancen, aber auch grundlegende ethische Fragen: Wie lässt sich Empathie in KI-gestützten Settings bewahren? Wo liegen die Grenzen von Chatbots in Blended-Therapie-Ansätzen? Und wie können Verantwortung und Vertrauen auch im digitalen Behandlungsraum gelingen?
Der Vortrag lädt dazu ein, die Potenziale und Risiken von KI in der Psychotherapie kritisch zu reflektieren. Im Mittelpunkt steht die digitale therapeutische Beziehung - als Schlüssel für Wirksamkeit und Menschlichkeit im technologischen Wandel. Ziel ist es, einen offenen Dialog zwischen Innovation und psychotherapeutischer Verantwortung zu fördern und Perspektiven für eine zukunftsfähige Versorgung zu entwickeln.
Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier
Der Vortrag nimmt die berühmte Aktion Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt zum Ausgangspunkt, um in die oft rätselhafte Welt von Joseph Beuys einzutauchen. In einer fiktiven Analysesitzung, in der Beuys die Aktion wie einen Traum erzählt, tritt der Mensch hinter dem Künstler hervor – mit seinen inneren Konflikten, Ängsten und Visionen.
Im Zentrum steht dabei die sogenannte „Tartarenlegende“, die Erzählung, Beuys sei nach einem Flugzeugabsturz von tartarischen Nomaden gerettet, in Fett gehüllt und mit Filz gewärmt worden. Diese Geschichte, die er selbst immer wieder als Ursprung seiner künstlerischen Symbolik darstellte, ist nachweislich erfunden – aber nicht ohne tiefere Wahrheit.
Der Vortrag beleuchtet diese Legende im Zusammenhang mit Beuys’ biografischen Brüchen und seelischen Verletzungen. So wird nachvollziehbar, wie eine persönliche Erfahrung – oder deren imaginierte Verarbeitung – zur Grundlage einer Kunst wird, die ebenso verstören wie heilen will.
Dr. Matthias Oppermann
Abwehr ist ein zentrales Konzept der psychodynamischen Psychotherapie und darüber hinaus. Sie schützt vor unangenehmen Gefühlen und Zuständen, strukturiert das psychische Erleben und ermöglicht die Aufrechterhaltung von Selbstkonzept und Beziehungen. Als Entwicklungsleistung des Ichs ist sie zunächst als Ressource zu verstehen, auch wenn sie hinderlich, dysfunktional und pathologisch werden kann. Das Verstehen von Abwehr in ihrer Funktion ermöglicht Empathie in Momenten, in denen wir befangen, begriffslos, ungeduldig oder wütend wären: Sie ist Wächterin des Unbewussten, des Kernaffekts und der Verletzlichkeit – und reflektiert dabei stets die Bedingungen des Gewordenseins.
Im therapeutischen Prozess zeigt sich Abwehr vielgestaltig: als situativer Coping-Mechanismus, als unbewusstes Täuschen des Selbst und anderer, als Enttäuschung im Kontakt mit Realität und als schematische Blaupause, die auch die therapeutische Beziehung gestaltet. Dabei ist Abwehr kein isolierter innerpsychischer Vorgang, sondern auch ein Beziehungsangebot, das Entwicklung im gemeinsamen Erleben ermöglicht. Und auch Therapeut:innen wehren ab, täuschen und enttäuschen – und bedingen damit ebenso Grenzen und Chancen im therapeutischen Prozess.
Der Vortrag schlägt den Bogen von klassischen zu bindungs- und narzissmustheoretischen Perspektiven der Abwehr, zeigt ihre Verbindung zu transtheoretischen Konzepten und illustriert Abwehrbewegungen anhand von klinischen Beispielen. Auch werden relevante Befunde aus der Psychotherapieforschung vorgestellt. Ziel ist es, die dialektische Bedeutung der Abwehr als Schutz und Hindernis und ihr Beziehungsangebot zu verstehen: Sie ist Teil des Täuschens und Voraussetzung des Ent-täuschens, das Berührung, Verbindung und Veränderung ermöglicht.
Prof. Dr. Leonie Kampe
In dem Vortrag geht es darum, wie eine psychodynamische Herangehensweise an klinische wie auch an gesellschaftliche Prozesse eine Offenheit ermöglicht. Etwas psychodynamisch zu verstehen, bedeutet nicht, feste Gewissheiten zu erlangen oder zu wiederholen, sondern einen "gutartigen" Zweifel, auch bezogen auf das eigene Vorgehen, dafür einzusetzen, einem Gegenüber vertrauensvoll zu begegnen, ohne schon zu wissen, was als nächstes kommt.
Prof. Dr. Timo Storck
Gegenseitiges Vertrauen zählt wohl zu den wesentlichsten und am häufigsten genannten Attributen gelungener Liebesbeziehungen. Dementsprechend zählen Vertrauenskonflikte umgekehrt zu den häufigsten Phänomenen psychoanalytischer Paartherapiepraxis. Ausgehend von der durch die Objektbeziehungstheorie beschriebenen Entwicklung basalen Vertrauens zwischen Mutter und Kind, zeichnet der Vortrag nach, wie Brüchigkeit früher emotionaler Erfahrungen zur Verinnerlichung eines Misstrauensverhältnisses führt, das in erwachsenen Beziehungen mitunter seine Reaktivierung findet. Vertrauen in den Anderen ist immer zugleich ein Rückgriff auf frühere Misstrauensregungen. Die Anerkennung solcher paranoiden Ängste ermöglicht erst eine Offenlegung von eignen Unzulänglichkeiten gegenüber dem Partner. Und gerade hier entscheidet sich das Schicksal dieser Vertrauensregungen. Wird der Andere in der Lage sein die gegebene Verletzlichkeit sorgsam und zärtlich zu halten? Die klinische Erfahrung zeigt, dass die Spiegelung derselben Prozesse im Partner, insbesondere die Fähigkeit eigene paranoide Ängste anzuerkennen und zu halten, zur Vertrauensbildung beiträgt, während Tendenzen zur Projektion paranoider Ängste den Vertrauensprozess unterwandern.
Prof. Dr. med. Nestor Kapusta
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