N09: Vertrauen können
Im Konflikt zwischen dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Abhängigkeit
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Beschreibung
Die Existenz des Menschen gründet auf der Entscheidung zwei anderer Menschen, ein Kind zu zeugen, ohne dass dieses zuvor um Zustimmung gebeten werden könnte. Der erste Schrei des Säuglings drückt seine Suche nach einem hilfreichen Menschen aus, auf den er angewiesen ist um zu überleben. Gleichzeitig steckt in dem Schrei aber auch die Rebellion gegen diese existentielle Abhängigkeit, so sinngemäß Immanuel Kant. Schon das Kleinkind strebt nach Selbstbestimmung und wehrt sich gegen Abhängigkeit und Fremdbestimmung, erlebt aber immer wieder, dass ihm Grenzen gesetzt sind, die es anerkennen muss. Die Rebellion gegen das Angewiesensein einerseits und die Notwendigkeit, diese Abhängigkeit als Teil der conditio humana anzuerkennen andererseits, begleitet uns vom ersten Schrei bis ans Lebensende. Die Autonomie des Individuums ist aber ganz einseitig zum höchsten Wert westlicher Gesellschaften geworden. Zugleich aber gibt es tiefe Bedürfnisse nach Bindung und Versorgung, was in vielen Bereichen zu Konflikten führen kann. In der Psychotherapie bemühen wir uns um mehr Selbstbestimmung für unsere Patienten, indem sie sich von neurotischen und traumatisch bedingten Einschränkungen befreien. Zugleich geht es aber auch um die Anerkennung unveränderbarer Lebenstatsachen.
Ein breites Spektrum solcher Konflikte wird an Fallbeispielen, die gern auch von den Teilnehmern eingebracht werden können, vorgestellt und miteinander reflektiert.
Referent:innen
Prof. Dr. Martin Teising
Facharzt für Psychosom. Med., Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoanalyse. Lehranalytiker DPV,. 2012 bis 2018 Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin; Europäischer Repräsentant im Vorstand der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung.