
Christina Bossauer, B. Sc.
Referentin Bildungsmanagement, Albertinen Akademie
Org. Tagungsleitung PdT Langeoog, Albertinen Akademie
Nachmittagsseminare Montag bis Donnerstag von 16:30 bis 18:00 Uhr. Die Kosten belaufen sich auf 190 Euro zuzüglich zum Grundbetrag.
Für die Teilnahme an den Nachmittagsseminaren werden Fortbildungspunkte beantragt.
(Mo – Do 16:30 bis 18:00 Uhr)
Der Glaube an Verschwörungstheorien ist nicht per se pathologisch – kann jedoch Teil dysfunktionaler Beziehungsdynamiken im Kontext innerer Konflikte und struktureller Einschränkungen sein. Verschwörungsgläubige leiden häufig darunter, sich ausgeschlossen, missverstanden, bevormundet, entwertet oder ungerecht behandelt zu fühlen. Gleichzeitig lösen sie bei ihren Mitmenschen oft starke Gefühle von Ablehnung, Entwertung, Wut, Hilflosigkeit oder Angst aus. Die konflikthaften Beziehungsdynamiken stellen deshalb einen wichtigen Anknüpfungspunkt innerhalb einer psychodynamischen Behandlung dar. Aufgrund der Beziehungskonflikte im Außen besteht dabei jedoch die Herausforderung, dass sich auch in der Therapie schwierige Übertragungs-/Gegenübertragungsdynamiken entfalten können.
Das Seminar hat anknüpfend an den Hauptvortrag einen stärkeren klinischen Fokus. Anhand von Fallvignetten sollen die Psychodynamik im Verschwörungsglauben und entstehende therapeutische Dynamiken reflektiert werden. Beispielsweise können wir
als Therapeut:innen in der Übertragung als Teil des (Gesundheits-) Systems selbst zu Verschwörer:innen werden, als naives „Schlafschaf“ gelten oder in einer Fusion mit unseren Patient:innen Teil der „Erwachten“ werden. Zudem sollen die psychodynamischen Zusammenhänge von Verschwörungsglauben, Esoterikglauben und rechtspopulistischen Einstellungen diskutiert werden. Ziel sollte sein, hilfreiche therapeutische Haltungen im Umgang mit verschwörungs gläubigen Patient:innen zu erörtern.
Das Einbringen von Fallbeispielen der Seminarteilnehmenden ist erwünscht!
Dr. phil. Sabrina Berens
(Mo – Do 16:30 bis 18:00 Uhr)
Das Seminar widmet sich der Frage, welche Bedeutung Geschwister dynamiken für die psychische Entwicklung in psychotherapeutischen Prozessen in Einzel- und Gruppenbehandlungen haben. Ausgehend von psychoanalytischen und gruppen analytischen Konzepten – unter anderem von Freud, Melanie Klein, Wellendorf, Adam-Lauterbach, René Kaës und dem Konzept der Geschwistermatrix von Val Parker – wird der Gedanke eines eigenständigen Geschwisterkomplexes vorgestellt und diskutiert.
Die Geschwistermatrix beeinflusst und prägt als ein universeller psychischer Beziehungsraum, der weit über reale Geschwister hinausreicht, unser Erleben von Gleichrangigkeit, Konkurrenz, Kooperation und Solidarität in allen späteren Beziehungen. Gerade im Hinblick auf das Tagungsthema eröffnet die Auseinandersetzung mit Geschwisterbeziehungen ein vertieftes Verständnis dafür, wie
Solidarität entstehen, scheitern oder wiedergewonnen werden kann.
Anhand von Fallvignetten aus der gruppenanalytischen Praxis wer den präödipale, ödipale und archaische Geschwisterkonstellationen sowie deren Ausdruck in Übertragung, Rivalität, Triangulierung und Gruppenprozessen gemeinsam reflektiert. Die Teilnehmenden sind eingeladen, eigene klinische Erfahrungen einzubringen und die
Bedeutung geschwisterlicher Beziehungsmuster für therapeutische Prozesse gemeinsam zu erarbeiten.
Das Seminar verbindet theoretische Grundlagen mit klinischer Praxis und richtet sich an Psychotherapeut:innen, Psycho analytiker:innen und Gruppenanalytiker:innen, die ihre metapsychologische Perspektive erweitern und neue Zugänge zum Verständnis von
Konflikten, Bindung, Ambivalenz und Solidarität in therapeutischen Beziehungen gewinnen möchten.
Dipl.-Psych. Christiane Claussen
(Mo – Do 16:30 bis 18:00 Uhr)
Dass es nicht nur individuelle Erfahrungen, sondern auch gesellschaftliche Bedingungen sind, die Menschen psychisch erkranken lassen, ist eine Binsenweisheit. Gleichzeitig bedeutet es eine widersprüchliche Anforderung an die psychotherapeutische Praxis: Wie
kann im klinischen Setting eine Haltung gefunden werden, die sich mit der sozialen Situation der Patient:innen solidarisch versteht, sich aber auch der für die Behandlung notwendigen Abstinenz verpflichtet sieht?
So haben Patient:innen mitunter Vorstellungen, wie sie am besten zu behandeln sind und welche Themen besser unhinterfragt bleiben sollten: z. B. kann für Menschen, die von sozialer Benachteiligung betroffen sind (z. B. Herkunft, Diskriminierungserfahrung,
Geschlechtszuschreibung etc.), die sich selbst zugeschriebene Identitätsvorstellung eine wichtige stabilisierende Funktion übernehmen, aus der manche Patient:innen dann Handlungsanweisungen für die sie Behandelnden ableiten. Umgekehrt bringen auch
Behandelnde Vorstellungen, was für die Patient:innen gut wäre, mit in die Praxis. Die Verschärfung gesellschaftlicher Konflikte und eine zunehmende Politisierung der Öffentlichkeit verschärfen mitunter den Handlungsdruck.
Wir wollen uns in dem Seminar in einer Mischung aus Vortrag und Fallarbeit sowohl gesellschaftstheoretisch als auch psychoanalytisch der Frage nähern, was Solidarität in der psychotherapeutischen Praxis heißen kann, wo sie an Grenzen stößt oder in der Behandlung eine andere Bedeutung annimmt als im Gesellschaftlichen.
Fallbeispiele der Teilnehmenden sind dabei herzlich willkommen. Das Seminar richtet sich an Psychotherapeut:innen und Therapeut:innen in Ausbildung.
Prof. Dr. phil. Christine Kirchhoff, Dipl.-Psych.
Dipl. Psych. Helge Jannink
(Mo – Do 16:30 bis 18:00 Uhr)
Im subtilen Hinspüren auf Atmosphärisches, auf Körperreaktionen, auf die Stimme usw. kommt das Miteinander-in-Beziehung-Sein im therapeutischen Prozess auf vertiefte Weise zum Vorschein. In der Art, wie gesprochen wird, wie jemand sich bewegt oder sich
hinsetzt, zeigt sich das implizite Beziehungswissen im Hier und Jetzt, worin sich auch immer Anteile der Übertragung befinden. Während die Säuglingsforschung etwa ab den 1970er-Jahren viele Erkenntnisse zum impliziten Beziehungswissen beigetragen hat,
finden sich bei Reik schon 1948 in „Hören mit dem 3. Ohr“ Hinweise darauf, wie wichtig das Lauschen auf subtile Ausdrucksformen für die therapeutische Arbeit ist.
Ich möchte Sie einladen, mit der Körperwahrnehmung in verschiedenen Facetten zu arbeiten. Zunächst erforschen wir in einer kleinen Selbsterfahrung die eigene Körperwahrnehmung, indem wir das implizite Körperwissen zu einem Thema (felt sense nach Gendlin) aufrufen und entstehen lassen. Dann schärfen wir die Wahrnehmung für die Körper-zu-Körper-Kommunikation und dafür, wie der Körper in Interaktion mit anderen reagiert. Anschließend soll geschaut werden, wie die Arbeit mit der Körperwahrnehmung für die klinische Arbeit nutzbar gemacht und anhand mitgebrachter Fälle erprobt werden kann. Vorstellbar sind Patient:innen mit psychosomatischen Beschwerden, die oft erst einmal einen Zugang zum eigenen Körper entwickeln müssen.
Dr. med. Claudia Marschner
(Mo – Do 16:30 bis 18:00 Uhr)
Bei Patient:innen mit früh belasteten Beziehungserfahrungen können Zuwendung und Angriff rasch ineinander umschlagen. Das Seminar fragt, wie therapeutisches Halten gelingen kann, ohne dass die Behandlung zur Schonung oder Vereinnahmung wird, und wie Begrenzung möglich ist, ohne strafend oder beschämend zu wirken. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Sexualität als möglichem Austragungsort innerer Konflikte und der Frage, wie über sie gesprochen werden kann, ohne dabei auszuweichen.
In unserem Seminar beleuchten wir diese Spannungsfelder aus wechselnden Perspektiven. Anhand klinischer Vignetten vom Jugend- bis ins Erwachsenenalter entwickeln wir ein psychodynamisches Verständnis unterschiedlicher Entwicklungsverläufe und diskutieren, was daraus für die therapeutische Haltung folgt. Dabei beschäftigen wir uns auch mit der Rolle der Eltern und ihrem Einfluss auf die strukturelle Entwicklung.
Eigene Fallbeispiele und herausfordernde Verläufe aus der klinischen Praxis sind ausdrücklich erwünscht und können gern auch vorab bei den Kursleitenden per E-Mail angemeldet werden.
Tarik Korkutan
Dr. med. Marie Mey
(Mo – Do 16:30 bis 18:00 Uhr)
Die Geschichte der Psychoanalyse ist eine Migrationsgeschichte. Freud selbst musste 1938 vor den Nazis nach London fliehen, viele Psychoanalytiker der ersten Generation wurden ermordet, andere konnten ins Exil fliehen. Trotz dieser prägenden Erfahrung dauerte es überraschend lange, bis Psychoanalytiker Migrationstheorien entwickelten. Erst in den 1960er Jahren setzte allmählich eine sys tematische Auseinandersetzung ein.
Das viertägige Seminar zeichnet diese theoriegeschichtliche Entwicklung nach und fragt zugleich nach ihrer Bedeutung für die heutige psychotherapeutische Praxis: Die erste Sitzung widmet sich den Pionieren (u.a. Grinberg) und ihren Konzepten von Kultur schock und Identitätskrise. Die zweite Sitzung erkundet Vamik Volkans Beiträge zu Trauer, Verbindungsobjekten und transgene rationaler Weitergabe. Am dritten Tag steht Salman Akhtars Modell der „dritten Individuation“ im Mittelpunkt. Die vierte Sitzung widmet sich Fakhry Davids’ Konzept des „inneren Rassismus“. Nach jeder theoretischen Einführung und Fallvorstellung folgt eine gemeinsame Diskussion. Das Einbringen eigener Fälle ist ausdrücklich erwünscht.
Die Auseinandersetzung mit diesen Konzepten ist nicht nur für Therapeuten und Patienten mit Migrationserfahrungen relevant; sie berührt Grundfragen psychotherapeutischen Arbeitens schlechthin: wie wir dem Fremden begegnen – im Anderen und in uns selbst. Denn Kommunikation mit Menschen, die offenkundig einen als fremd wahrgenommenen Hintergrund in die Interaktion einbringen, macht die prekäre hermeneutische Grundsituation zwar besonders deutlich, ist jedoch kein „Sonderfall“, sondern ein Paradigma für die allgegenwärtige Diversität.
Dr. Arif Örsal
(Mo – Do 16:30 bis 18:00 Uhr)
In diesem Seminar wollen wir uns mit der Solidarität zwischen jungen und alten Menschen beschäftigen. Die familiäre Bindung zwischen den Generationen ist eine spezifische Errungenschaft menschlicher Zivilisation. Sie fordert wechselseitige Solidarität. Dem stehen bewusste und unbewusste Konflikte zwischen den Generationen gegenüber, die in der persönlichen Entwicklungs geschichte ebenso von Bedeutung sind, wie zwischen Lehrern und Schülern oder in der Sozialversicherung. Solidarität prägt interge nerative Beziehungen, in denen Identifikation, Abgrenzung, Projektion, Schuld, Dankbarkeit, Rivalität und Weitergabe von Erfahrungen eine Rolle spielen. Die Generativität ist von dem Umgang mit Generationskonflikten abhängig.
Unterschiedliche Phänomene dieser Solidarität und der Generationskonflikte, die für psychotherapeutische Behandlungen von zentraler Bedeutung sind, werden behandelt. Beiträge aus der persönlichen und beruflichen Erfahrung der Teilnehmer sind erwünscht
Prof. Dr. Martin Teising
(Mo – Do 16:30 bis 18:00 Uhr)
Politische und gesellschaftliche Themen können in Gruppen intensive Gefühle, Konflikte und Polarisierungen hervorrufen. Mitglieder verbünden sich, andere schweigen, es bilden sich Lager oder die Gruppenleitung wird aufgefordert, Position zu beziehen. Politische Themen berühren oft Fragen von Zugehörigkeit und Solidarität: Was hält eine Gruppe zusammen – und wer oder was muss dafür möglicherweise „draußen“ bleiben? Kohäsion kann durch Gemeinsamkeiten entstehen, aber auch durch Abgrenzung.
Im Seminar wollen wir anhand von Fallvignetten und Erfahrungen der Teilnehmenden Herausforderungen und Freuden im Umgang mit politischen Themen aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen. Wie viel politische Differenz braucht und verträgt eine Therapiegruppe? Wann sollten wir politische Gespräche oder Konflikte fördern und erkunden, wann intervenieren, Grenzen setzen oder uns selbst positionieren? Welche Haltung haben wir gegenüber dem Aufkommen – oder Ausbleiben – politischer Themen in unseren Gruppen?
Dabei soll es weniger um „richtige“ Interventionen als um eine therapeutische Haltung gehen, die einen produktiven Umgang mit politischen Themen ermöglicht und hilft, auch in schwierigen Situationen neugierig, reflektiert und handlungsfähig zu bleiben. Konzepte wie „Rupture and Repair“, der „antwortende Modus“ der psychoanalytisch-interaktionellen Methode, die mentalisierungsbasierte Gruppentherapie und Nitsuns „Anti-Group“ werden anwendungsorientiert einbezogen.
Das Seminar richtet sich an Gruppenleiter:innen aller Erfahrungsstufen und steht auch einzeltherapeutisch Tätigen offen. Eigene Fälle und Erfahrungen sind herzlich willkommen, gerne vorab per Mail an: praxis.schluckebier@posteo.de
Florian Schluckebier, M.Sc. Psych.
(Mo – Do 16:30 bis 18:00 Uhr)
Angesichts einer Zunahme gruppenpsychotherapeutischer Angebote in der ambulanten Richtlinienpsychotherapie ist es wichtig, auch mögliche Barrieren für das Angebot von Gruppenbehandlungen zu reflektieren. Eine der Barrieren ist die Komplexität der Interaktionsprozesse in Gruppen, die sich immer wieder auch krisenhaft entwickeln und zu schwierigen Situationen in Gruppen führen können.
Basierend auf Beispielen aus der Praxis der Teilnehmenden (und des Seminarleiters) sollen die Möglichkeiten des Umgangs mit typischen Schwierigkeiten in Gruppen diskutiert werden. Die Übertragung des mittlerweile in der Psychotherapie viel diskutierten Konzepts von Beziehungsrupturen und deren Lösung (Rupture und Repair) auf die Gruppensituation soll eine der konzeptuellen Grund lagen des Seminars darstellen.
Prof. Dr. Bernhard Strauß

Referentin Bildungsmanagement, Albertinen Akademie
Org. Tagungsleitung PdT Langeoog, Albertinen Akademie