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Fortbildungspunkte

Für die Teilnahme an den Hauptvorträgen und dem Abendprogramm werden Fortbildungspunkte beantragt.

Potentiale – und Risiken – von Gruppen(therapien)

(Montag, 9:30 - 11:00 Uhr)

Beschreibung

„Lernziel Solidarität“ war der Titel eines Bestsellers von H. E. Richter, mit dem er gelebte Solidarität als Weg persönlicher und gesellschaft licher Veränderung propagierte. Richter war es auch, der die Gruppe als einen „neuen Weg, sich selbst und andere zu befreien“ verstand und mit seiner Sichtweise dazu beitrug, sowohl die Gruppe als „sozi ale Konfiguration“ zu definieren als auch die klinische Bedeutung der Gruppentherapie hervorzuheben.

Dies alles fand in den 1970er Jahren des letzten Jahrhunderts statt! Seither hat sich der Stellenwert der Gruppe in der Gesellschaft immer wieder verändert und damit auch die Bedeutung von Solidarität, die durchaus als ein ambiges Konstrukt gesehen werden kann. Man denke an „solidarische“ gesellschaftliche Polarisierungen und Inter gruppenkonflikte, die auch durch eine manchmal fundamentalisti sche Solidarität mit der eigenen Gruppe entstehen können.

In dem Vortrag soll der gesellschaftliche Wandel von Solidarität in Gruppen und ihre Funktion diskutiert und auf den Mikrokosmos der Gruppenpsychotherapie übertragen werden. Diese wird derzeit aus unterschiedlichen Gründen auch gesundheitspolitisch sehr stark pro pagiert. Letztlich wird gezeigt, dass der soziale Mikrokosmos einer therapeutischen Gruppe ein Experimentierfeld für verschiedene Qualitäten und Funktionen von Solidarität dienen kann.

Herr Prof. Dr. Bernhard Strauß bietet auch ein Nachmittagsseminar an (N09).

Referent / Referentin

Prof. Dr. Bernhard Strauß

(Montag, 20:00 - 21:30 Uhr)

Beschreibung

Seit mehrere, sich teilweise überlappende Krisen, wie die Covid 19-Pandemie, die Energiepreisexplosion und die Inflation unsere Gesellschaft erschüttern, dringt die Armut stärker in deren Mitte vor. Weil die Krisen als Katalysatoren der Ungleichheit wirken, wächst zugleich der Hyperreichtum einer kleinen Minderheit. Dies ist einer Regierungspolitik geschuldet, die den Steuer- ebenso wie den Sozialstaat seit Jahrzehnten enorm unter Druck setzt. Die bisherigen Reformen des Sozial- und Gesundheitssystems führen zu psychosozialen Beeinträchtigungen für Beschäftigte, Bedürftige und Benachteiligte, die dieses System umso weniger bewältigen kann, je mehr seine Leistungen beschnitten werden.

Um die sozioökonomische Ungleichheit wieder zu verringern und zu verhindern, dass sich Deutschland sozial noch tiefer spaltet, muss der Wohlfahrtsstaat um- bzw. ausgebaut, die Steuergerechtigkeit erhöht und der Reichtum stärker besteuert werden. Unverzichtbar ist dabei die Vision einer solidarischen Gesellschaft. Es bedarf wie der größerer Egalität, um die gesellschaftliche Kohäsion zu bewah ren, die Krisen der Gegenwart zu meistern und auch künftig die Grundlagen für ein demokratisches Gemeinwesen zu garantieren.

Referent / Referentin

Prof. Dr. Christoph Butterwegge

Solidarität als Anspruch und Realität in Ost und West

(Dienstag, 9:30 - 11:00 Uhr))

Beschreibung

Die Referentin wird Erfahrungen aus der DDR und dem vereinten Deutschland mit dem Anspruch der Solidarität berichten. Dabei wird sie analysieren, wie sich die gesellschaftlichen Verhältnisse auf die jeweils gelebte Realität von Solidarischsein auswirken und sich auch in Psychotherapien widerspiegeln.

Referent / Referentin

Annette Simon

Pathologisches Lügen...?

(Dienstag ab 20 Uhr, Einlass ab 19:30 Uhr)

Beschreibung

Eine Hotelanlage am Meer. Die elfjährige Sophie macht fernab der Heimat Urlaub mit ihrem Vater. Abenteuerlustig wendet sie sich Gegenwart und Zukunft zu, während er von der Welt Abschied zu nehmen scheint. Seine elterlichen Aufgaben nimmt er fürsorglich wahr, doch über der sonnigen Szenerie liegt der unsichtbare Schatten einer diffusen Sprachlosigkeit. Sophie befindet sich in einem Loyalitätskonflikt zwischen den eigenen, unbändigen Entwicklungs wünschen und der namenlosen Depression ihres Vaters. Der Film lässt uns über Eltern-Kind-Beziehungen und die besondere Form von Solidarität nachdenken, die zwei Generationen verbindet. Wie prägt sie Erinnerungen und Lebensläufe? Kann sie an ihre Grenzen gelangen?

Dr. Ursula Völker bietet auch ein Kurzseminar an (K03)

Referent / Referentin

Dr. Ursula Völker

Wo bleibt Raum für Solidarität in destruktiven Phantasien?

(Mittwoch, 9:30 - 11:00 Uhr)

Beschreibung

Der Glaube an Verschwörungstheorien ist weit verbreitet und gewinnt insbesondere im Kontext von gesellschaftlichen Krisen an Popularität. Hinter der Attraktivität von Verschwörungstheorien stehen zahlreiche Mechanismen, welche sich sowohl allgemein psychologisch als auch psychodynamisch verstehen lassen. Zu unterscheiden ist der Glaube an eine Verschwörungstheorie und eine grundsätzliche Verschwörungsmentalität als individuelle Diffe renzvariable. Personen mit einer hohen Verschwörungsmentalität bevorzugen grundsätzlich verschwörungsgläubige Weltdeutungen, wobei das hohe Misstrauen gegenüber mächtigen Akteuren psychodynamisch verstehbar sein kann.

Der Vortrag möchte psychodynamische und gesellschaftliche Themen verbinden und insbesondere die Zusammenhänge zwischen innerer und äußerer Welt im Verschwörungsglauben darstellen. Die inneren Erlebniswelten im Verschwörungslauben lassen sich dabei in wiederkehrenden Motiven erfassen (z. B. „Marionette und Puppenspieler“, „Gegen den Strom vs. Mainstream“ oder „David gegen Goliath“). Anhand dieser metaphorisch fassbaren Bildwelten soll veranschaulicht werden, wie innere Konfliktthemen und strukturelle Einschränkungen die Wahrnehmung der gesellschaftspolitischen Umwelt prägen. Anknüpfend an das Tagungsthema soll dabei auch der Frage nachgegangen werden, wo innerhalb der destruktiven Phantasiewelten im Verschwörungsglauben der Raum für Solidarität bleibt.

Dr. phil. Sabrina Berens bietet auch ein Nachmittagsseminar an (N01).

Referent / Referentin

Dr. phil. Sabrina Berens

Zur Psychotherapie beim Anliegen eines assistierten Suizids

(Donnerstag, 9:30 - 11:00 Uhr)

Beschreibung

Die psychotherapeutische Beziehung mit suizidalen Patient:innen ist von einer grundlegenden Ambivalenz geprägt, die sich auch in unbewussten Phantasien und Übertragungs-Gegenübertragungs Dynamiken konstelliert.

Die Konflikthaftigkeit zeigt sich besonders zugespitzt im therapeutischen Gespräch mit Menschen, die das Anliegen eines assistierten Suizids an ihre Umwelt herantragen: in Beziehung zu gehen, in einen Austausch und dabei Anregung für das eigene Leben zu gewinnen, kontrastiert mit Gedanken, so nicht, aber auch nicht anders leben zu wollen oder zu können – in Beziehung zu sterben ist ein unauflösliches Paradoxon. Ein gemeinsam verhandeltes Behandlungsziel ist in dieser Konfliktlage meist unmöglich. Auch eine vorbehaltlose Zustimmung zum Anliegen der Patient:in verkennt die psychische Realität einer ambivalenten Beziehungsphantasie.

Anhand zweier Fallvignetten wird erarbeitet, dass Erkenntnis, Entwicklung und auch Entscheidungsfähigkeit nur gelingen, wenn Andersartigkeit und Eigenständigkeit beider Beteiligter zu Nähe und Bezogenheit führen können. Frühe, ablehnende Beziehungsmuster, reaktualisierte existentielle Konfliktthemen und der emotionale Aufruhr der Todesnähe stellen erhebliche Herausforderungen dar. Und doch erscheint die Psychotherapie als relationaler Raum des Denkens in Beziehungen einer der Orte zu sein, die in den Notlagen existentieller Bedrohung Entwicklung ermöglichen.

Herr Prof. Dr. Reinhard Lindner bietet auch ein Vormittagsseminar (V01) und ein Kurzseminar (K02) an.

Referent / Referentin

Prof. Dr. Reinhard Lindner

Aspekte ihrer Entwicklung im Spannungsfeld zwischen Nähe und Rivalität

(Freitag, 9:00 - 10:30 Uhr)

Beschreibung

Geschwisterbeziehungen können in dysfunktionalen Familien eine kompensatorische Funktion haben. Sie geben dann Möglichkeit für gegenseitige Unterstützung, Solidarität und emotionaler Resonanz. Sie wiederholen aber auch unter Umständen konflikthafte oder pathologische familiale vertikale Beziehungsmuster auf der horizontalen Beziehungsebene.

Der Vortrag geht der Frage nach, welche entwicklungspsychologischen und psychodynamischen Prozesse dazu beitragen, dass die Geschwisterbindung zu einer tragfähigen Ressource im späteren Leben werden kann und unter welchen Bedingungen sie von persistierenden Mustern der Konkurrenz, des Neids, der Rivalität oder emotionalen Gleichgültigkeit geprägt bleibt. Dabei geht es auch darum, wie die verinnerlichte psychische Repräsentation der erfahrenen Geschwisterposition im Lebensverlauf integriert und überwunden werden kann.

Referent / Referentin

Dr. phil. Dorothee Adam-Lauterbach

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